Uns wurde die Ehre zuteil mit einem Mitar­beit­er dort ganz exk­lu­siv ein Inter­view führen und es hier veröf­fentlichen zu dür­fen. Darüber haben wir uns sehr gefreut und teilen dieses gerne und ein wenig ver­legen, ob des darin enthal­te­nen Lobs.
Das Inter­view führten wir mit Her­rn Ruess, einem unser­er Ansprech­part­ner beim KIT und lauscht­en ihm mit offe­nen Ohren, staunend aufgeris­se­nen Augen und abwech­sel­nd mit einem Lächeln auf den Lip­pen oder herun­tergeklappter Kinnlade vor Überraschung…Wir hof­fen, es geht Ihnen beim Lesen ähnlich…wobei das mit den Ohren eher nicht funk­tion­ieren wird…

Zu Beginn stellt sich Herr Ruess vor, damit wir ihn ein biss­chen ken­nen­ler­nen können:
″Ich habe in Ulm studiert und in Karl­sruhe meinen Mas­ter gemacht. Jet­zt bin seit 4 Jahren beim KIT als Dok­torand und im Bere­ich Sim­u­la­tion von Gyro­trons und dort auch im Bere­ich Messtech­nik tätig. Jed­er der Mitar­beit­er dort hat eine spezielle Exper­tise und für den Bere­ich dann ver­ant­wortlich tätig. Mein Bere­ich ist der Fre­quenzmess­bere­ich und so „wan­dern“ die Teile, die RM her­stellt über meine Mess­maschi­nen. Einige dieser Teile gehen auch nach Frankre­ich zu Thales, mit dem wir auch schon viele Jahre zusam­men arbeiten.″

KIT beste­ht aus 3 Buch­staben. Deshalb sind wir nun auf die Beschrei­bung des KIT in 3 Sätzen gespannt.
Der erste Satz kam ohne langes Über­legen: ″richtig cool ist hier die Zusam­me­nar­beit von Groß­forschung und Universitätsbereich.(Also ein Forschen auch über lange Zeiträume, zum Beispiel im Bere­ich Gyro­tron began­nen die Forschun­gen in den 80er Jahren und wer­den bes­timmt nicht vor 2040 fer­tig sein. Und dem Forschen in kleinen Zeiträu­men an der Uni­ver­sität. So kön­nen bei­de Bere­iche mit ihren Schw­er­punk­ten und ihrem Wis­sen verschmelzen.)
Der zweite Satz lautete fol­gen­der­maßen: Das KIT ist der größte Arbeit­ge­ber in Karl­sruhe. (Hier sind 9300 Mitar­beit­er, 25000 Stu­den­ten und 367 Professoren)
Und schließlich der 3. Satz: Wir sind eine exzel­lent Uni­ver­sität. (der Titel „Exzel­len­zu­ni­ver­sität“ geht ein­her mit zusät­zlichen staatlichen Fördergeldern in Mil­lio­nen­höhe.. Bun­des­forschungsmin­is­terin Anja Kar­liczek (CDU) sagte, die Exzel­len­zu­ni­ver­sitäten seien her­aus­ra­gende Botschafter der Wis­senschaft in Deutsch­land und der Welt und macht­en uni­ver­sitäre Spitzen­forschung inter­na­tion­al sichtbarer.)″

Die erfragten Schw­er­punk­te offen­barte die Vielfältigkeit und Viel­seit­igkeit dieses Insti­tutes und machen uns gle­ich klar, warum unter anderen diese Uni­ver­sität eine exzel­lent Uni ist und für die näch­sten 5 Jahre auch bleiben wird. Die Schw­er­punk­te in Karl­sruhe sind Energie, mit dem Teil­bere­ich Fusion, für diesen Bere­ich pro­duziert RM Teile.
Weit­ere Schw­er­punk­te sind Mobil­ität, Infor­ma­tion, Umwelt und Klima.

Im Bere­ich Energie und Fusion, um den es in der Zusam­me­nar­beit geht, entste­ht der Kon­takt mit Liefer­an­ten oft­mals auf fol­gen­dem Weg und bleibt dann hof­fentlich, wenn sie erfol­gre­ich ver­läuft auch über län­gere Zeit beste­hen. Schließlich geht es meist um beson­dere Anforderun­gen und Vorgaben.
″Die The­o­retik­er über­legen sich etwas, erstellen dafür Zeich­nun­gen mit Tol­er­anzen und Vor­gaben. Dann geht man auf ″Lieferantenschau″.…befragt Google, sucht nach Fir­men mit passen­dem Port­fo­lio und der Einkauf schickt dann eine Anfrage ab. Daraus ergibt sich meist ein Gespräch über die Mach­barkeit und die Fähigkeit zu Umset­zung. Es wer­den Tol­er­anzen angepasst und verän­dert, um eine Pro­duk­tion zu ermöglichen. Kommt man dadurch, nicht zu einem gemein­samen Nen­ner, muss weit­erge­sucht wer­den. Inzwis­chen haben wir einen Stamm an Liefer­an­ten, die den ver­schiede­nen Ansprüchen gerecht wer­den und die dann auch gezielt ange­fragt werden.″

Die Beant­wor­tung der näch­sten Frage hat uns ver­legen, aber vor allem auch sehr stolz gemacht und wir haben lange über­legt, ob die Antwort tat­säch­lich veröf­fentlicht wer­den sollte…und haben uns dann dazu entschlossen, es zu tun.

″Für die Zusam­me­nar­beit mit RM ist kennze­ich­nend: die Zuver­läs­sigkeit, die Qual­ität der Teile entspricht immer dem, was KIT haben möchte. Teile von RM sind von gle­ich­bleibend hoher Qual­ität und ständig repro­duzier­bar, obwohl es sich um hochge­naue und ‑präzise Teile han­delt. Es sind heik­le Kom­po­nen­ten, die RM fer­tigt und liefert und stets ist Ver­lass darauf, das diese kor­rekt und genau gefer­tigt sind. Herr Müh­leisen ist so hin­ter­her, dass es funk­tion­iert. Die fach­liche Kom­pe­tenz von Her­rn Müh­leisen ist faszinierend und immer wieder kön­nen gemein­same Lösun­gen für die ver­schiede­nen Bere­iche gefun­den wer­den, weil er weiß, worum es geht. Die Teile, die die Rein­hold Müh­leisen GmbH für das KIT pro­duziert wer­den in Gyro­trons einge­set­zt. Stellt sich für den Nicht­fach­mann unter uns gle­ich die Frage: Was ist denn ein Gyro­tron? Herr Ruess hat dies sehr anschaulich in einem Bild erk­lärt. Fast jed­er hat eine Haushaltsmikrow­elle zu Hause ste­hen, deren 1 kW Aus­gangsleis­tung nach 1–2 Minuten es geschafft hat, ein Stück Piz­za zu erwär­men. Ein Gyro­tron hat eine um 2000 Mal stärkere Aus­gangsleis­tung wie die Mikrow­elle zu Hause in der Küche. Für die Fusion braucht man 120 Mio Grad Cel­sius. Eine gute Hei­zleis­tung wichtig, denn nur so wird der Aggre­gatzu­s­tand Plas­ma erre­icht, der notwendig ist, um die Elek­tro­nen auf die richtige Tem­per­atur zu brin­gen, damit eine Fusion stat­tfind­en kann. Die Elek­tro­nen sind in unsere Bild die Piz­za, die aufge­heizt wer­den müssen. Dies geschieht in ein­er Vaku­um­röhre, die 2,5 m hoch und mit Kupfer aus­gek­lei­det ist und mit einem sta­bilen Vaku­um verse­hen ist. Aus Gle­ich­strom wird Hochfre­quen­zs­trahlung erzeugt, die allerd­ings eine schlechte Eigen­schaft hat: Sie strahlt in alle Rich­tun­gen. Wir benöti­gen allerd­ings Strahlung, die gerichtet sein muss. Der Launch­er von RM pro­duziert, wird benutzt, um einen Strahl zu bekom­men und zu konzen­tri­eren. Der Strahl wird auf 4 cm fokussiert und mit diesem soge­nan­nten Beam kön­nen lange Streck­en über­wun­den wer­den. Über ein unterirdis­ches Tun­nel­sys­tem wird der Beam vom Gyro­tron abgeschossen. So kommt er zum Reak­tor, dem Toka­mak, und wird hier eingeschleust. In Greif­swald zum Beispiel ste­hen 10 Gyro­trons, um die notwendi­ge Leis­tung zu bekom­men. ″Unsere″ Teile, die Launch­er und die Spiegel wer­den dazu benutzt, um die Strahlen zu fokussieren und sind in diesem Sys­tem ver­baut. Der let­zte Launch­er, der Ende Mai aus­geliefert wor­den ist, muss 500 Watt pro Quadratzen­time­ter aushal­ten, wenn er im Ein­satz ist. Sofort nach der Liefer­ung hat Herr Ruess diesen ver­messen, er wird gle­ich anschließend ver­baut. Einige sehr inter­es­sante Bilder davon kön­nen Sie in der Bilder­ga­lerie sehen und sich selb­st ein ″Bild″ davon machen.

Etwas zum Staunen: Wür­den die Launch­er bei der Benutzung ungekühlt einge­set­zt, wären sie nach 50 Mil­lisekun­den deformiert und damit nicht mehr gebrauchs­fähig. Es herrscht so eine große Wand­be­las­tung, dass der darun­ter­liegende Kupferblock zu glühen begänne und davon fließen würde. Durch die ständi­ge Küh­lung ist eine Benutzung im Dauer­strich, also rund um die Uhr möglich. Nach all diesen Erk­lärun­gen ist es defin­i­tiv klar, warum die Teile ein­wand­frei funk­tion­ieren müssen und man sich darauf auch ver­lassen kön­nen muss, wenn mit solchen Energien und Leis­tun­gen arbeit­et. Würde man einen solch fokussierten Strahl auf eine Mauer richt­en, würde alle Feuchtigkeit aus ihr entwe­ichen und man kön­nte am Ende den übrig gebliebe­nen Staub zusam­men kehren…mehr bleibt nicht übrig…was damit alles möglich sein kön­nte, bleibt der Fan­tasie eines jeden über­lassen. Beim Führen des Inter­views wurde uns wieder bewusst und anschaulich vor Augen gemalt, wo unsere Teile einge­set­zt wer­den und was sie aushal­ten müssen. Das ist ein großer Ans­porn auch in Zukun­ft die Qual­ität zu liefern, die notwendig ist, damit es so funk­tion­iert, wie es soll und die Leis­tung gebracht wer­den kann, die hineingesteckt wor­den ist. Wir danken Her­rn Ruess sehr her­zlich für seine Zeit, die tollen und so infor­ma­tiv­en Antworten, für den Artikel über Gyro­trons und seinen Ein­satz für unsere Home­page! ″Danke″ sagen wir auch Her­rn Pro­fes­sor Jelinek für die Erlaub­nis, all diese Infor­ma­tio­nen, den Artikel und Bilder auf unser­er Home­page veröf­fentlichen zu dür­fen. Wir von RM bedanken uns für die vie­len Jahre wun­der­bar­er Zusam­me­nar­beit und freuen uns auf viele weit­ere Aufträge, Gespräche und Aus­tausch mit dem KIT — dem Karl­sruher Insti­tut für Technologie.

 

Quelle:

Das Logo ist von https://www.sle.kit.edu/wirueberuns/sekretariat_servicezentrum_SLE.php

Der Kupferblock und die Piz­za von https://pixabay.com/